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Helmut Jacob18.05.2008
Offener Brief an Diakoniepräsident Klaus-Dieter Kottnik zu seinen Äußerungen in „Frontal 21“ vom 22. April 2008
Sehr geehrter Herr Präsident!
Schlagen Sie Ihre
Frau? „Nein!“, werden Sie entrüstet sagen. Und das ist auch gut so, denn man schlägt keinen anderen Menschen. Allerdings muß ich Ihnen entgegenhalten: Eigentlich müssten Sie Ihre Frau jeden Tag schlagen,
wenn Sie sich an Ihren eigenen Worten messen, wenn Sie glaubwürdig sein wollten.
Kommen wir zu Ihrer Glaubwürdigkeit konkret. In der Sendung „Frontal“ vom 22. April 2008 sagten Sie:
„Zwangsarbeit wäre ja so etwas wie eine systematische Situation. Den Vergleich mit der Zwangsarbeit, den sehen wir nicht gegeben. Es war damals zu diesem Zeitpunkt völlig
üblich, dass auch die Kinder auf Bauernhöfen mitgearbeitet haben, mit zum Erwerb der Familie beigetragen haben. Und so haben die Kinder, die in den Heimen gelebt haben,
mitgeholfen, zum Unterhalt der Heime beizutragen. Also Zwangsarbeit ist etwas, was wir da überhaupt nicht als eine Parallele ansehen.“
Arbeitet Ihre Frau nicht auch in Ihrem Haushalt? Hilft sie Ihnen
nicht, zum Erwerb der Familie beizutragen, indem sie Ihnen den Rücken freihält und die Hausarbeiten erledigt, in der Küche arbeitet, dafür sorgt, dass Ihre Gäste Essen und Trinken haben und gut bewirtet sind?
Sie haben recht, die Kinder in den Heimen haben gearbeitet und zum Heimerwerb beigetragen. Der Unterschied ist allerdings ein großer: Ihre Frau arbeitet freiwillig. Die Kinder und Jugendlichen wurden
gezwungen, bei Wind und Wetter z.B. Torf abzustechen. Es bedurfte nicht einmal einer Verweigerungshaltung, um sich sporadisch Schläge, psychische Brutalitäten und sexuelle Gewaltattacken einzufangen. Ich wage es
gar nicht, diese Situation auf Ihren familiären Bereich zu übertragen.
Aber erkennen Sie Ihre Inkonsequenz? Wenn Sie Ihre Frau dankenswerterweise nie schlagen dafür, daß sie Ihnen hilft, dann müssten
Sie Ihre Abscheu und Empörung für jeden Schlag zum Ausdruck bringen, den Kinder und Jugendliche unter Ihrem Dach und unter dem Kreuz Jesu erhalten haben. Herr Präsident, in diesem Frontal-Beitrag haben Sie Ihre
Abscheu nicht artikuliert. Können Sie ermessen, was Sie mit dieser Unterlassung ihrem obersten Chef am Kreuz angetan haben?
Tun Sie Buße Herr Präsident. Verzichten Sie auf Runde Tische, an denen
schwadroniert und dummes Zeug geredet wird. Stellen Sie sich an die Spitze derer, die einen Opferentschädigungsfond fordern!
Ich komme zurück auf Ihre Formulierung: „Zwangsarbeit wäre ja so etwas wie eine systematische Situation.“ Herr Präsident, wenn Ihre Frau jeden Tag in der Küche steht, Ihnen jeden Tag den Rücken
freihält, Ihnen jeden Tag die Zimmer sauber hält, Ihnen jeden Tag die Hemden gebügelt hinlegt, was ist das anderes, als eine systematische Situation? Müssen Sie unter diesen Umständen nicht sogar zugeben, dass
Ihre Frau eine Art Zwangsarbeit leistet? Dies nur mit einem verschmitzten Lächeln an Sie, damit Sie zukünftig überlegen, mit welchen verqueren Formulierungen Sie versuchen, Opferansprüche abzuwimmeln.
Hochachtungsvoll Helmut Jacob
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Glosse zur Themenschließung im Diakonieforum 20. 10. 2008
Stephan Röger, verantwortlich für die Internetpräsenz des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat das Forum „Ehemalige Heimkinder – in der Diskussion mit der Diakonie?!“ dicht
gemacht. Das darf er, denn wer die Suppe kocht, darf sie auch wegwerfen. Substantiell sei nichts Neues hinzugekommen schreibt er: „Dafür nehmen die persönlichen Auseinandersetzungen zu.“ Auch das soll es
geben. Bevor er das Licht ausknipst, schreibt er noch einen beachtlichen Satz: „Leider haben sich die nicht getraut zu schreiben, die die Zeit in den Heimen als durchaus positiv erlebt haben. Die wollten es nur
mündlich sagen. Leider.“
Lieber Herr Röger, bei diesem Satz zuckte ich richtig zusammen. Unter wieviel Traumata müssen ehemalige Heimbewohner leiden, dass sie Angst haben, über ihre durchaus positive Zeit im Heim zu schreiben? Muss
ich befürchten, dass ihnen die christliche Nächstenliebe, insbesondere die evangelische und ganz besonders die diakonische so konzentriert um die Ohren gehauen wurde, dass sie damit nicht fertig wurden? Wurden sie
täglich oder stündlich diakonisch, evangelisch und christlich so durchgeknuddelt, dass ihnen dies zum Schaden gereicht hat? Und wird es nun vier bis fünf Jahrzehnte dauern, bis sie diesen Schock aufgearbeitet
haben?Heißt das nächste Spiegel-Buch „Knuddeln im Namen des Herrn“, das den Aufarbeitungsprozeß in Gang setzt?
Die Diakonischen Einrichtungen hätten es ja auch mit viel weniger Liebe angehen können: Hier mal ein paar Kinder zusammentreten, dort mal Kinder Tage und Wochen in die Dunkelkammer sperren, ruhig auch mal
Kinder sexuell angrabschen und im Übrigen so gut wie gar nicht mit ihnen sprechen. Dann hätten die Kinder über ihre Erlebnisse berichtet.
Nun, wo Ihr Kind in den Brunnen gefallen ist, gilt Schadensbegrenzung. Aufgabenstellung: Wie bringt man mündliche Geständnisse in eine schriftliche Form? Ich wette mit Ihnen, dass Sie alle Gespräche
aufgezeichnet haben. Genau da können wir ansetzten. Sie und ich, beide Homepagebetreiber, beide wahrscheinlich journalistisch vorgebildet, wenigstens aber „Schmalspurjournalisten“, können an dieser Stelle des
Protokolls herumdrehen.
Aber Achtung! Schreiben Sie niemals: „Herr Erich Mustermann rief an und erzählte mir, daß man ihn mit Gewalt aus dem Heim prügeln mußte, weil es ihm dort zu gut gefiehl!“ In diesem Fall gäbe es immer
noch Zweifel derer, die seit Jahren an der Diakonie verzweifeln. Hat der wirklich angerufen? Bleibt nur noch der journalistische Trick „sinnvoll Kürzen eines Artikels“.
Also schreiben Sie: „Herr Erich Mustermann in seinen durchaus positiven Erlebnissen: Man mußte mich mit Gewalt aus dem Heim prügeln, weil es mir dort zu gut gefiehl!“ Danach folgt alles, was Sie am
Telefon gehört haben.
Was merken Sie, Herr Röger? Kein Mensch verschwendet Zeit mit der Frage: Wie ist die Diakonie an diese positiven Erlebnisse gekommen? Zugegeben, gute Journalisten kürzen nicht in der Form, wie ich es
Ihnen empfehle. Die Sache stinkt etwas. Allerdings, wie die Diakonie die Aufarbeitung der Verbrechen vor 40 bis 60 Jahren in ihren Heimen angeht, das stinkt bis zum Himmel!
Helmut Jacob
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Stellungnahme zur Forumsfrage im Diakonie-Forum: Brauchen wir das Forschungsprojekt und wem soll es dienen ...?
Vorbemerkung: Die evangelische und katholische Kirche hat der
Ruhr-Universität Bochum einen Forschungsauftrag gegeben. In diesem Projekt sollen Opferzahlen, rechtliche Grundlagen und Regularien erhoben und mit der
Praxis verglichen, ferner Fälle aufgearbeitet werden. Dazu der Projektleiter Professor Traugott-Jähnischen: „Wir wollen einen Querschnitt der Realität in
den damaligen Heimen aufzeigen.“ Ziel des Projekts sei es zudem, die Hintergründe der Zuständen in den Heimen zu ergründen. Auch die Verantwortung des Staates sei noch zu klären.
Bevor über den Sinn und Unsinn eines solchen Projektes angesichts der Informationsfülle in Internetforen diskutiert wird, ist ein Kopfschütteln erlaubt. Es ist nicht so, dass die Kirchen ein völlig
unabhängiges Institut beauftragen, vielmehr geht es um die Kirchliche Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Wer ähnliche Forschungsprojekte beobachtet hat,
hegt die Befürchtung, dass hier ein auf Kurs getrimmter „Lehrstuhl für christliche Gesellschaftslehre“ den Dreck zusammenfegen soll, den die Kirchen
in 20 Jahren hinterlassen haben. Wahrscheinlich soll das Ziel dieses Projektes die Umwandlung von Dreck in Kompost sein. Zwar kann Professor Jähnichen
verkünden, dass sein Lehrstuhl völlig unabhängig arbeitet und damit mag er sogar Recht haben. Im Volksmund bleibt allerdings das alte Sprichwort: „Wes
Brot ich eß, des Lied ich sing.“ Dies mag völlig ungerechtfertigt und unzutreffend sein. Dieses Vorurteil wird sich nicht ändern lassen. Schon darum gilt diese Fakultät als befangen. Aufrichtige
Wissenschaftler theol. Fakultäten müssten sich selbst als befangen betrachten und solche Projekte ablehnen, weil ihre Glaubwürdigkeit nur von einem Teil der Bevölkerung in diesem Zusammenhang
anerkannt wird.
Wem nutzt ein solches Projekt? Das Projekt kann den Kirchen insofern nutzen, als dass sie einmal einen zusammengefassten Überblick über die
Gräueltaten in den Nachkriegsjahren bis zu Beginn der 80er Jahre erhalten. Diesen Überblick bekommen sie allerdings nur, wenn sich die Historiker die Mühe
machen, nicht nur bei den Kirchen vorliegende Storys zu sichten sondern auch wochenlang im Internet zu recherchieren und selbst einzelne Fragmente
zusammenzufügen. Die allerwenigsten Opfer haben ihre Berichte fertig in der Schublade liegen und tragen sie wie eine Monstranz vor sich her. Die
allermeisten beginnen erst mit dem Aufarbeitungsprozess, wie auch immer ausgelöst, „ihre Geschichte“ zusammenzusetzen. So sind einzelne Fragmente auf
unterschiedlichen Seiten und in unterschiedlichen Foren verstreut.
Ob die evangelische Fakultät Bochum dieses Zusammensuchen neben dem Lehrplan leisten kann, ist fraglich. Allerdings kann es auch sein,
dass bei gewissenhafter Ausführung des Projektes einkalkuliert wird, dass dieses Projekt wenigstens ein Jahrzehnt beansprucht. Bis dahin reduziert sich
die Zahl der Opfer durch die biologische Lösung. Zahlreiche Äußerungen von Rechtsnachfolgern aus dieser Zeit lassen erkennen, dass genau dies das Ziel
ist. Wenn beispielsweise angesichts der vorhandenen Fülle des Materials immer noch Runde Tische gefordert werden, Diakoniepräsident Kottnik aber öffentlich
jammert, dass dieser Runde Tisch bisher nicht tagen konnte, weil noch kein Vorsitzender gefunden wurde, muss man berechtigt fragen: Warum macht er ihn
nicht selbst oder kommt es ihm gerade recht, dass sich niemand für den Vorsitz findet, - um schlichtweg Zeit zu schinden.
Dieses Forschungsprojekt hätte nur dann einen Sinn, wenn es parallel zu den
notwendigen Schuldbekenntnissen und Sühnebestrebungen der Kirchen laufen würde.
Die Opfer selbst haben von diesem Forschungsprojekt nichts.
Sie reiben sich verwundert die Augen, wenn Diakoniepräsident Kottnik Familienministerin Ursula von der Leyen öffentlich auffordert, diesen Runden
Tisch zu finanzieren. Die Opfer vermuten dahinter die Fortsetzung in der Forderung, dass die Öffentliche Hand den Schlamassel (der aus einer
Aneinanderreihung von Verbrechen besteht) ausbadet und die Aufgabe übernimmt, Entschädigungsansprüche abzubügeln. Für die Kirchen bliebe eigentlich nur eine
kleine Überarbeitung des „Stuttgarter Schuldbekenntnisses“ von 1945. Dort heißt es: „ ... aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer
gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Mit solchen windelweichen Erklärungen haben sie schon einmal Politiker, Gläubige
und dumme Menschen am Nasenring durch die Manege geführt.
Die Opfer selbst haben von Runden Tischen und langzeitigen Forschungsprojekten überhaupt nichts. Sie brauchen Hilfe. Jetzt und heute. Die
allermeisten würden ein anderes Leben, sorgenfreier, wahrscheinlich auch finanziell gesicherter leben, wenn sie diese Kindheits- und Jugenderlebnisse
nicht gehabt hätten. Schon darum ist eine Opferentschädigung zwingend zu akzeptieren. Genauso bedrückend ist ihre Sorge um die Zukunft: Wann ist es
soweit, dass ich wieder ins Heim muss und im Alter erneut erleben muss, was ich in Kindheit und Jugend erlebt habe. Diese Angst ist völlig begründet, und wer
den Namen “Fussek” googlet, erfährt, dass es in vielen, auch kirchlichen Altenheimen, heute Gewalt und psychischen Terror gibt. Dabei haben sich die
Kirchen damals vor 60 Jahren fortlaufend bis heute diese sozialen Aufgabengebiete unter den Nagel gerissen, mit der Behauptung, sie würden alles besser machen als staatliche Institutionen.
Das Forschungsprojekt kommt also nur den Beschuldigten zu Gute. Es schindet Zeit und lässt damit die Anspruchsberechtigten biologisch verschwinden.
Sollte die Evangelische Fakultät Bochum allerdings unabhängig arbeiten wollen und dürfen, käme sie sehr schnell dahinter, dass die einzelnen
Berichte der Opfer sich wie Mosaiksteinchen zusammensetzen lassen. Sie bestätigen unabhängig voneinander die Verbrechen bis in einzelne Heime und
Schlafzimmer hinein und lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie tatsächlich stattgefunden haben.
Ich persönlich erwarte auch von diesem Projekt nichts. Die Darstellung des Forschungsprojektes
unter Leitung der Professoren Dammberg und Jähnich lässt nichts Gutes erwarten. http://www.ruhr-uni-bochum.de/jaehnichen/kirchliche_heimerziehung.pdf Helmut Jacob 23. 10. 2008 |
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Zwei Jahre lang hat sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit der Frage der ehemaligen Heimkinder befasst. Ergebnis: Entscheidung vertagt, zunächst erhalten die Heimkinder keine Rente für
geleistet Kinderarbeit. Wir zeigen Schicksale und die Debatte um Wiedergutmachung. Die katholische Kirche will das Leid der ehemaligen Heimkinder noch nicht anerkennen.Unsere Frage lautet: "Sollen misshandelte Heimkinder entschädigt werden?"
"Eine kleine Arbeitsgruppe dokumentiert zur Zeit im Internet Verbrechen an behinderten Kleinkindern und Schulkindern in einem Kinderheim in Deutschland. Inzwischen wissen wir, dass
dieses Kinderheim eins unter etlichen anderen war, in dem zwischen 1947 und 1969 alle Facetten der Gewalt ausgeübt wurden. Zu den Verbrechen in den bundesdeutschen Kinder- und Jugendheimen schreibt der
Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche Deutschland, Huber: 'Es erfüllt uns mit Scham, was dabei zutage tritt. Aber wir dürfen uns davor nicht verschließen; denn wenn dieses Unrecht nicht beim Namen
genannt wird, wird die Würde der betroffenen Menschen heute genauso verletzt wie damals.' Die Opfer werden auch ein weiteres Mal misshandelt, wenn angesichts der Sachlage überhaupt die Frage nach
Entschädigung diskutiert wird. Noch unanständiger ist es, dass mit Hilfe runder Tische und sonstiger Ausschüsse so viel Zeit herausgeschunden wird, dass kaum ein Opfer Entschädigung erhalten wird.
Huber, die katholische Kirche und alle seriösen Politiker sind aufgefordert - wollen sie glaubwürdig bleiben - diesem schmählichen Treiben ein Ende zu setzen. Ein Staat, der 500 Millarden Euro für
Spekulanten und Zocker übrig hat, macht sich zur Bananenrepublik, wenn er diese Verbrechen nicht finanziell sühnt. Irland kann nur Vorbild sein!"
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